Moin Moin – Neue E-Scooter in der Stadt – Test [+Video]

Plötzlich waren sie da. Knapp 100 Elektroroller standen plötzlich an allen Ecken meiner Heimatstadt herum und begrüßten die Fußgänger mit einem freundlichen Moin! Grund genug, die Neuzugänge mal auszuprobieren.

Moin – Roller im Test

Letzten Donnerstag war es soweit. Circa 100 Elektroroller bevölkerten plötzlich auch meine Stadt und standen überwiegend im Fünferpack an gut exponierten Stellen herum. Mit dem “Moin.” auf dem Roller war schnell klar, wer denn hier nun auch die Bewohner dieser Stadt animieren möchte, auf die geliebt-gehassten Roller aufzusteigen. Schon am nächsten Abend stürmten viele Jugendliche die Roller und düsten mit denen durch die Stadt. 

Das Rostocker Start-Up “YourCar Sharing GmbH” hat sich mit diesen Geräten ein weiteres Standbein geschaffen. Ich hatte diese Roller bereits im Sommer in Rostock gesehen, wo auch über 175 Geräte unterwegs sind. Von den Rollern der Konkurrenz unterscheiden sie sich nicht wirklich. Sie werden eben aber als lokales Unternehmen gefeiert und sind somit auch kein großes Franchise wie bei anderen Marken. 

Wie fahren sich die Teile nun? Der Praxistest.

Natürlich wollte ich unbedingt einen Vergleich zu meinem eigenen Telefunken Synergie S600 haben. Also habe ich mir mal gegönnt und die App geladen. 

Die Installation der App ist ein Kinderspiel. Kurz mit Telefonnummer und Mailadresse registrieren. Ein Code kommt per SMS und schon kann es fast losgehen. Als Zahlungsweise bietet die App Kreditkarte und Paypal an. Die Abrechnung erfolgt über die MIR Solutions GmbH. Kurz einen Euro bezahlt und damit die Zahlungsweise bestätigt und dieser Euro geht dann in Guthaben in die App. Er ist also nicht verloren. 

Zu den Preisen:

Nur 1,-€ Leihgebür + 0,25€ je (angefangene) Minute könnte teuer werden, wenn man länger unterwegs sein will. Es lohnt daher auf jeden Fall, die Strecke und die voraussichtliche Fahrzeit zu kennen. Die App bietet aber Tagespakete und so kann man beispielsweise für 5,99€ auf verschiedenen Rollern unterwegs sein und bei Erledigungen einfach pausieren. Das ist recht clever gemacht. In der App kann man vor Fahrtantritt sehen, wo die Roller stehen und wie deren Akkustand (die errechnete Reichweite) so ist. Es steht quasi immer einer in der Nähe herum. Ebenso bietet die App vor Fahrtantritt einige Sicherheitstipps und weist auf Regeln im Straßenverkehr hin. Sehr liebevoll und einfach gestaltet. Das kapiert auch ein Anleitungslegastheniker wie ich. 

Wenn man die Fahrt beendet muss man in der App ein Foto von der ordnungsgemäßen und verkehrssicheren Abstellort machen und beendet damit die Fahrt. Ein integrierter Handyhalter sorgt übrigens nicht nur für den sicheren Transport des Smartphones sondern kann dieses auch als Navigationssystem interessant machen, wenn man die Stadt oder die Strecke nicht kennt. Ein großer Vorteil dieser Roller ist, dass sie nicht eingesammelt werden müssen, da sie über einen Austauschbaren Akku verfügen und im Bedarfsfalle kann der Service das in der Nacht bei einer Runde durch die Stadt schnell klären.  

Fahrtest: 

Im direkten Vergleich zu meinem Synergie fällt natürlich sofort das Gewicht auf. Fast 30 KG bringen die Moin-Roller auf die Waage. Meiner erreicht nur knapp 13 Kilogramm. Er ist auch nicht klappbar und kann so auch nicht wirklich in Fahrstühle mitgenommen werden. Die großen und breiten Räder machen das Fahren bei Kanten und Fahrbahnabsätzen deutlich angenehmer als bei meinem kleinen Roller. Zudem gibt es eine Federung am Vorderrad. Das ist schon sehr komfortabel. Die Bodenfreiheit ist gut und sorgt auch bei Kanten an Auffahrten nicht für Schleifgeräusche. (Ihr müsstet mal meinen Roller von unten sehen. 😉  ) Gas gibt man üblicherweise mit dem Daumenhebel und gebremst wird mit zwei Lenkerhebeln. Das Schutzblech ist keine Bremse. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 19,8 km/h ist aber auch bei den Moin-Rollern Feierabend. Mehr geht nicht. Dagegen schafft der Akku knapp 50km Reichweite. 

Moin-Roller vs. Synergie S600

Durch das hohe Gewicht fährt er sehr stabil. Das große Trittbrett ist ausreichend lang und breit für Schuhe in Größe 47 und rutschfest. Integrierte Blinkleuchten sorgen dafür, dass man die Fahrtrichtungsänderung nicht durch Handzeichen anzeigen muss. 

Im Grunde war ich von der Performance des Rollers begeistert. 

Unser Testvideo in Kürze hier:

Allgemeines:

Für wen eignet sich das Teil nun? Theoretisch soll man ja als Tourist mit diesen Dingern die Stadt erkunden. Aus eigener Erfahrung rate ich davon ab! In einer fremden Stadt mit einem Roller bei unbekannter Strecke und unbekanntem Verkehr kann sehr stressig werden. Man muss sich auf den Verkehr konzentrieren und hat für Sightseeing gar keine Zeit. Eigene Experimente mit solchen Rollern in Hamburg haben mir das deutlich klargemacht. Nix für Touris. 

Kennt man hingegen die Strecke und will durch das Stadtviertel düsen, dann sind die kleinen “Helferlein” schon recht ideal. Für mich und meinen eigenen Roller ist ein Bewegungsradius von knapp 2km der Idealstandard. Da brauche ich nicht erst das Fahrrad aus dem Schuppen holen und komme schnell überall an, wo ich hin will. Sind die Wege länger, ist man mit einem Fahrrad allerdings dann doch besser unterwegs. 

Mit den Rollern ist das so eine Sache. Was als gute Idee von vielen gefeiert wird ist nicht bei wenigen auch von absolutem Hass auf die Dinger geprägt. Oftmals stehen sie wirklich mies geparkt im Weg herum. Selbst wenn man den ordentlich abstellt können “Spaßvögel” den Roller nachträglich bewegen und unsachgemäß “parken”. Die richtigen “Vollidioten” werfen die Dinger (hoffentlich nicht) auch in Stadtteiche, Kanäle oder den Sund. Das passiert in Hamburg, Berlin und vielen anderen Städten auch ständig und ist nicht nur für den Anbieter ärgerlich. Ein E-Scooter mit Kurzschluss in der Batterie im Kanal ist hochgradig umweltschädlich, da nach einer Weile die Batterie bricht und die gefährlichen Inhaltsstoffe dann ins Wasser übergehen. Zudem ist der umwelttechnische Rucksack solcher Roller kaum wieder herauszufahren und wird der Akku auch wirklich mit umweltfreundlich nachhaltig produziertem Strom geladen? Wie sieht es eigentlich rechtlich aus. Das Abstellen von gewerblich vermieteten Rollern im öffentlichen Verkehrsraum unterliegt doch eigentlich dem lokalen Flächensondernutzungsrecht, oder? Man weiß es nicht. Ist einem als Verbraucher eigentlich meistens auch egal.

Wenn sich alle Rollernutzer an bestehende Verkehrs- und Nutzungsregeln halten, kann eine Stadt mit den E-Scootern schon ordentlich belebt werden und diese können einen gewissen Mehrwert an Mobilität in der Stadt geben. 

Auf jeden Fall sind die Teile einen Test wert und wer entsprechende Anwendungsszenarios dafür hat, wird garantiert seine Freude haben. 

Die App nennt sich übrigens moin sharing app und ist für iOS und Android in den entsprechenden Stores verfügbar. 

Ausprobierte Grüße

//O.F.

Reklame