Ampel: Millionen für Radwege in Peru? Stimmt’s?

Zahlt die Ampel wirklich viele Millionen Euronen für den Radwegeausbau in Peru, wo doch hier genug Baustellen an Radwegen warten? Was ist dran, an den Aussagen? Eine Suche nach  Erklärungen und Fakten findet Ihr in diesem Artikel.

Radwege in Peru? Was ist dran, am Millionendeal?

Dieses Magazin ist eigentlich recht unpolitisch, wenn auch ich selbst es nicht bin und noch andere Plattformen mit deutlich politisch-aktiverem Content betreibe. Doch bei diesem Thema wird auch Politik für mich und dieses Magazin interessanter um auch meine radelnde Leserschaft ordentlich informieren zu können.

Ich hole Euch mal ganz stumpf ab, damit Ihr – falls Ihr neu auf diesem Magazin seid – wisst, worum es eigentlich geht. 

  • „Deutschland finanziert Radwege in Peru!“
  • „Uns wird das Geld aus der Tasche gezogen und in der ganzen Welt verteilt!“
  • „Bauernhöfe sterben aber Geld für Radwege nach Peru schicken. Unfassbar!“

Genau so läuft es gerade in den Medien und meistens auch in den Alternativen Medien und natürlich auf allen SocialMedia-Plattformen. Meistens regen sich mit obigen Aussagen auch meistens Menschen „künstlich“ auf, die weder selbst Fahrrad fahren noch wissen, wo Peru überhaupt liegt. 

Doch was ist wirklich dran an diesen Aussagen? Stellt sich die Hauptfrage:

Werden Radwege in Peru mit Geld aus Deutschland finanziert?

Die Antwort ist einfach und kurz: JA!

Damit könnte der Artikel eigentlich schon zu Ende sein und manchem kurzdenkenden Menschen reicht das derzeitig ja auch als Information. Doch das ist nur die halbe Wahrheit und diese Wahrheit liegt ganz woanders.  Dazu muss man, wie schon so oft, wieder dem Geld folgen. Follow the Money and You’ll Know the Truth – Folge dem Geld und du findest die Wahrheit. 

Also: Wo kommt das Geld für die Radwege in Peru wirklich her und wieviel ist es genau? 

Das Geld kommt von der KfW-Bank. Die Kreditbank für Wiederaufbau in Deutschland. Merkt ihr schon was? Es kommt von einer Bank! Und was machen Banken für gewöhnlich? Richtig, Banken vergeben Geld in Form von Krediten. Sie verschenken es nicht! Oder war jemand von Euch schon mal in der örtlichen Sparkasse, hat nach 20 Euro gefragt und diese direkt vom Schalter bekommen, ohne dass das eigene Konto belastet wurde? Wohl eher nicht. 

Das bedeutet, auch für alle, die es noch nicht ganz fassen können, dass die KfW-Bank dieses Geld als Kredit an Peru gegeben hat. Richtig, als Kredit. Und dies bedeutet, dass diese(r) auch zurückgezahlt werden muss. Und das machen nicht wir, sondern die Regierung und die Verbände in Peru, die das Geld erhalten haben. Also sind wir hier schon aus wirtschaftlichen Gründen weit weg von „…wir verschenken Geld nach alle Welt für unnütze Dinge.“ Es ist ungefähr so, wie damals bei der Griechenlandkrise. Deutschland war mit 20 Mrd. Euro bei der Rettung dabei. Auch hier war der Unmut über Muttis Rettungsschirm groß. Schließlich war es ja „unser“ Geld. Was aber kaum jemand bemerkte: Deutschland hatte schon in den ersten Jahren fast eine Milliarde Euro Zinseinnahmen durch die Kredite, die nach Griechenland gingen. Und auch das Projekt Griechenland läuft noch und verdient Geld für Deutschland.Auch mit den Radwegen in Peru ist es ähnlich. Es wird Geld für ein Projekt in einer, verkehrstechnisch völlig überlasteten Region zur Verfügung gestellt, damit die Menschen dort flexibler, umweltfreundlicher und sicherer unterwegs sein können. Und es wird irgendwann zurückgezahlt. Es ist Entwicklungshilfe und an dieser gibt es genug Ecken für Kritik. Das ist aber nicht Bestandteil dieser Aktion. Alle wissen, dass in Entwicklungsländern genug Geld in dubiosen Kanälen verschwindet und diese sind auch bei der Entwicklungshilfe mit „eingepreist“. Ebenso Beträge der Kredite, die nicht zurückgezahlt werden müssen. 

Nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurden Peru 2022 bis zu 426 Millionen Euro für Klimaschutz im Verkehrssektor zugesagt. Das heißt aber NICHT, dass Peru jetzt direkt mal eben eine halbe Milliarde Euro bekommt. Es ist nur zugesagt und die Vertragsdetails kennt kaum jemand. So als würde Euch der Chef versprechen, dass es Weihnachtsgeld gibt. Ihr habt es im Februar aber noch nicht und auch nicht im März oder im August. Prinzip verstanden?

Bereits ausgezahlte Kredite aus den letzten Jahren sind in dieser Summe aber auch schon enthalten.  In dieser Summe sind außerdem alle geplanten Zahlung für Klima und Verkehr enthalten. Davon macht der Klimasektor den weitaus größeren Teil der Gelder aus.  Besonders im Verkehrsbereich sind dort auch Gelder für Straßen, Brücken, Reparaturen, Parkflächen, Infrastruktur, etc. enthalten. Die KfW schreibt dazu selbst auf ihrer Seite: „Zusätzlich hat die KfW 2021 im Auftrag des BMZ einen Zuschuss über 20 Mio. Euro an die Stadt Lima zum weiteren Aufbau des Fahrradwegenetzes zugesagt. …“

Auch ein Mathe-Legastheniker erkennt hier wohl gerade die Relation von Klimahilfe und Verkehrshilfe und in diesem, der Anteil für die viel gescholtenen und medial stark hervorgehobenen Radwege. 

Radverkehr in Peru

Der Radverkehr in Peru ist praktisch gar nicht vorhanden. Aktuelle Forschungen ergaben, dass nur ein einstelliger Prozentteil der Bevölkerung in Peru überhaupt mit dem Rad fährt. Nur in den beiden größten Städten gibt es überhaupt Radwege. Die ärmere Landbevölkerung wird von den Maßnahmen in Lima und eventuell auch in Cusco überhaupt nicht profitieren. In Lima, der Hauptstadt mit fast 9 Millionen Einwohnern, gibt es bereits Radwege im Verkehrsnetz, doch diese sind sehr unsicher, nicht verbunden und alles andere als sicher. Zudem gibt es eine hohe Luftverschmutzung durch Industrie und Verkehr. Die STVO gilt in der deutschen Fassung eben nur hier und nicht überall auf der Welt. Letztlich geht es bei den Maßnahmen auch „nur“ um knapp 110 km Radweg, der die Hauptstadt und auch in anderen Teilen Perus eben etwas sicherer und bequemer machen soll. Derzeitig  befinden sich wohl die ersten Abschnitte des zu errichtenden Fahrradwegenetzes im Bau. Es ist nicht viel Geld, was dort für Radwege investiert wird, wenn man die Relationen der Pakete und die Bevölkerungsdichte der Stadt betrachtet. Berlin hat derzeitig gerade die Hälfte der Einwohner.   

Verschenkt wird, so jedenfalls meine Betrachtung, auch nichts!

Ob wir uns um Radwege in Peru kümmern müssen? 

Macht Euch eine eigene Meinung dazu. Dazu gebe ich an dieser Stelle meinen Senf eher nicht ab. Aber es ist letztlich alles Wirtschaft. Es ist Business. Auch von der KfW-Bank. Diese investiert übrigens ihr Geld nicht nur in Kredite für die Solardächer, Heizungssanierungen und Geschäftsimmobilien in Deutschland, sondern eben weltweit um auch eine breite Risikostreuung zu gewährleisten. Es ist ein Geschäft. Nicht mehr und nicht weniger.

Gleichzeitig geben diese Investitionen in ferne Länder aber auch Hoffnung. Hoffnung für Menschen, die fernab vom Luxus unseres Lebens, jeden Tag versuchen, das Beste aus dem eigenen Leben zu machen und den Menschen dort ein würdevolles und mobiles Leben zu ermöglichen. 

Durch die mediale Verbreitung des Themas hat die KfW einen entsprechenden Artikel veröffentlicht. Diesen könnt Ihr hier direkt und auch in der originalen Langversion lesen. 

Gebloggte Grüße

//O.F.

Foto: Thumbnail: Google (composed)  

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