Telefunken E-Scooter Synergie S600 im Test

“Du spinnst jetzt völlig!” sagte meine Mutter, als ich ihr offerierte, dass ich mit einen E-Scooter bestellt habe. Aber irgendwie wollte ich so ein Teil schon immer. Die Wahl fiel auf einen Telefunken “Synergie S600” aus einem bekannten Versandhaus. Was er kann und wie er so fährt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Telefunken Synergie S600 E-Scooter im Test

Ja, manchmal habe ich wirklich einen Knall und manchmal auch ein paar geile Ideen. Beides zum richtigen Zeitpunkt zusammen, führt dann gelegentlich dazu, dass ich auch mal ein paar Dinge kaufe, von denen ich der Meinung bin, sie brauchen zu müssen weil ich sie eigentlich schon lange haben will. So geht es mir auch mit diesen neumodischen E-Scootern. Als sowas zum letzten mal im Supermarkt herumlag wollte ich schon und habe dann doch wieder darauf verzichtet. Nachdem ein paar Arbeitskollegen nunmehr mit solchen Dingern durch die Stadt heizen, habe ich spontan mal nach Anwendungsszenarios für mich nachgedacht und sogar welche gefunden. Da ich auch auch ein recht spontaner Mensch bei solchen Anschaffungen bin, habe ich dann eben auch gesucht, gefunden und kurzerhand zugeschlagen. Die Wahl fiel auf den Telefunken “Synergie S600” aus einem Online-Versandhaus eines bekannten, klassischen Katalogversenders. Wie er so taugt und fährt, erfahrt Ihr nun hier.

Telefunken Synergie S600 E-Scooter

Ich hatte etwas Glück, denn der “Synergie S600” kommt wohl für gewöhnlich mit einer UVP von 699,00 Euronen daher und wurde gerade in dem nicht näher zu bezeichnendem Versandhaus mit einem gutem Rabatt verkauft. Letztlich war das auch ein Kaufgrund. Bei der UVP hätte ich den nicht gekauft und wahrscheinlich auf ein Teil bei Lidl & Co gewartet.  Telefunken ist hierbei nur eine Trägermarke wie es Zündapp auch längst nur noch ist. Hersteller für dieses Gerät ist eigentlich die Karcher AG und ein paar Geschäftspartner aus dem Land der Mitte, die Elektronik und Motor beisteuern. 

Technische Daten

Grundsätzlich war mir Reichweite ein wichtiger Punkt. Es gibt viele Roller, die mit nur 12km Reichweite angeboten werden. Das bedeutet, dass man selbst beim Kurzstreckenszenario ständig an irgendeiner Steckdose hängt und ich will nicht, wenn ich mal quer durch das Dorf muss, dort dann auch noch ein Ladegerät für die Rückfahrt deponieren müssen. Der Synergie kommt mit einer Maximalreichweite von 25 Kilometern daher. Das ist safe genau das, was mir so vorgeschwebt hat. Also alle drei oder vier Tage mal an die Dose und falls sich meine Lebenssituation mal ändert, dann vielleicht auch öfter. 20km/h Höchstgeschwindigkeit ist gesetzliches Maximum, auch wenn es durchaus Roller gibt, die hier mehr bringen. 

250 Watt Motoren mit Vorderradmotor sind bei fast allen Rollern ein Standard. Unterscheidungen gibt es oft nur bei den Akkus. Die 280 Wh des Synergie sollten aber durchaus ausreichen und mit 7800mAh hat man genug Power für die angegebene Reichweite. 9″ oder 10″ Räder wären schön gewesen, gibt es aber nicht. 8 Zoll auf Vollgummireifen müssen ausreichen. Einen höhenverstellbaren Lenker gibt es auch nicht. Da ich aber recht groß bin, brauche ich das auch nicht wirklich. Maximalkapazität des Rollers ist 107 KG. Da bleibe ich auch (wenn auch nur knapp – Danke Corona!) drunter.  Die 13 KG Eigengewicht tragen sich auch ganz gut in den nächsten Fahrstuhl vom lokalen Wolkenkratzer oder eigenen Treppenaufgang und zusammengeklappt nimmt er auch keinen Platz weg. Gebremst wird mechanisch und hinten mit Auftittbremse. Licht ist vorne und hinten vorhanden. Es besteht Kennzeichen- und Zulassungspflicht. 

Lenker mit kleinem Display am Telefunken S600
Trittplatte und Ladebuchse am Scooter
Die Auftittbremse für Hinten. Leider hält die Befestigung der Lampe und des Kennzeichens nicht und bricht. Gesehen auch bei einem anderen Roller. Wohl ein Serienfehler.

Also ab zum Versicherungsbüro um ein Aufklebekennzeichen zu holen. Der große Vorteil ist, dass die Tarife sehr günstig sind. Meiner kostet mich nunmehr 26 Euronen bis Ende Februar 2022. Dann knapp 45 Euro für das nächste Jahr bis wieder Ende Februar 2023. 

Tipp: Ohne Kennzeichen mit dem e-Scooter durch die Stadt? Keine gute Idee! Die silber-blauen Autos kommen immer von hinten und die Strafen bei fehlendem Kennzeichen sind immer höher, als das Kennzeichen selbst kosten würde. Es macht also keinen Sinn hier Geld sparen zu wollen. Und im Falle eines Unfalles wird es dann richtig derbe. 

Probefahrt

Kennzeichen angeklebt und los! Aber nein! Erstmal etwas üben. Laut STVO muss man die Fahrtrichtungsänderungen wie beim Fahrrad mit dem Arm anzeigen. Das muss man üben und auch das Gleichgewicht sollte man halten können. Ein paar Skills kann man schnell auf abgelegener Strecke erlernen. Ich bin solche Geräte schon so einige male gefahren. Ob im Großstadtverkehr in Hamburg mit ‘nem Lime oder dem Segway eines Kollegen. Trotzdem muss man sich auf seinen eigenen Roller erstmal einstellen. Ein paar hundert Meter und man hat das richtig drauf. 

Die angegebenen 20 km/h erreicht der Synergie in der Ebenen fast. Meine Tachoanzeige endet permanent bei 18,3 bis 19,4 km/h, je nach Fahrbahnbeschaffenheit. Er hält diese Geschwindigkeit auch über längere Zeit. Gas gegeben wird mit einem Daumenregler. Auch über eine Zufahrt zu einer Straßenbrücke kam er ganz passabel hoch. So richtig wohl fühlt sich das Teil aber auf Asphalt und Radschutzstreifen. Das Handling ist absolut in Ordnung und es macht, so es der Straßenbelag oder der Radweg es hergibt, wahnsinnig viel Spaß mit dem Teil. Plattenstraßen und Kopfsteinpflaster sind natürlich nicht sein Revier. Die Trittfläche ist groß genug für meine 45er Sneaker. Passt also auch. 

Eine Höhenverstellung am Lenker vermisse ich nicht. Auf ruppigeren Radwegen merkt man aber schon die harten Griffe an den Fingern. 

Langzeit-, und Batterie- und Lichttest

Natürlich will ich wissen, ob der Akku die angegebene Reichweite schafft. Da ich dazu aber noch mehr fahren muss, werde ich diesen Artikel an dieser Stelle dann aktualisieren. Nach 11,6 km, überwiegend im High-Modus, schwankte die Akkuanzeige zwischen 2 und 3 Punkten. Ich werde ihn aber auch einmal komplett voll laden und bis zum Stillstand durchfahren. Mal sehen, was dabei herauskommt. 

In dieser Einstellung trifft der Lichtkegel ca. 2 Meter vor dem Roller auf den Weg auf.

Natürlich will ich auch wissen, was das Licht so taugt. Hinten ist es recht klar. Eine große Lampe mit Reflektor sorgt für eine gute Sichtbarkeit. Vorne sieht der Lichtkegel so aus: Er trifft ca. 2 Meter vor dem Roller auf den Weg. Ein ziemlich wirres Lichtbild. Man kann es noch verstellen und es ist, so die Straße oder der Weg durch’s Dorf einen halbwegs guten Zustand hat, akzeptabel. Eine Klemmleuchte zusätzlich mit mehr Lumen und Lux-Leistung würde aber trotzdem nicht schaden. 

 

Beachtenswert

Mit einem e-Scooter muss man sich an mehr Regeln halten, als einem eigentlich bewusst ist. Ein Blick auf entsprechende YT-Videos hilft da schon und natürlich der permanente Blick auf die Straße, denn die ist das Hauptfahrgebiet solcher Geräte. Fußwege sind tabu und auch das Zusatzschild “Fahrrad frei” gilt nicht für e-Roller.  Man ist Verkehrsteilnehmer wie sonst auch – nur eben elektrisch motorisiert. Wenn man den Roller etwas aufmotzt und die entsprechenden Tutorials anwendet, erlischt die Betriebserlaubnis. Also lieber Finger weg von solchen Experimenten. Eine Helmpflicht gibt es nicht, ist aber durchaus empfehlenswert. Einen Salto mit 20km/h mit Seitenlage auf dem Asphalt ist für den Kopf alles andere als angenehm. Eine Klingel – egal was für ein Teil – muss nachgerüstet werden. Nicht jede Versicherung führt Kennzeichen für solche Geräte. Man muss etwas herumtelefonieren oder die Suchmaschine seiner Wahl benutzen, um hier online etwas abzuschließen, was den Roller dann berechtigt, am Straßenverkehr teilzunehmen. 

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Fazit

Ein nettes kleines Gerät für meine Anwendungsszenarios. Ich bereue den Kauf auf keinen Fall. Falls sich meine Lebensssituation mal ändert, gibt es vielleicht sogar wieder ein paar mehr Szenarios, doch für den Moment ist es fast perfekt. Der Roller wird jetzt für all die Strecken eingesetzt, wo ich zu Fuß nicht mehr hinlaufen will oder sonst das Fahrrad nehmen würde.  Mehr als 3km am Stück je einfache Strecke werden da aber nicht zusammenkommen zur Zeit, auch wenn er mehr könnte.  Natürlich ist man mit einem Fahrrad gelegentlich auch schneller unterwegs und die kleinen Räder können bei manchen Kanten schon echt eine Herausforderung sein. Ein kleineres Fahrradschloss mitzuführen macht auch Sinn, wenn man das Teil vor dem Supermarkt abstellen will. Übrigens fand ich mit dem Gerät gleich eine weitere Verwendungsmöglichkeit für das Carryyygum

Für leichtes Gepäck. Carryyygum am Lenker befestigt (und diesmal richtig 😉 )

Etwas Kritik hätte ich aber auch noch. Die Ladebuchse im Fußbrett ist vielleicht nicht optimal positioniert. Irgendwo an der Seite oder am Rahmen hätte ich besser gefunden. Auch das Licht ist kritisierbar. Es ist mit dem Rahmen verbunden und nicht mit der Lenkstange. Das bedeutet, dass der Roller bei Dunkelheit logischerweise nicht dahin leuchtet, wohin man fährt. Da man aber wohl überwiegend bei Tageslicht unterwegs ist, wäre das wahrscheinlich für 99% aller Nutzer verschmerzbar. 

Im Grunde ist dieser oder jeder andere e-Roller aber eine echt gute Alternative zum Fußweg oder zum Fahrrad. Wenn man die richtigen Bewegungsszenarien für sich selbst hat, macht mit so einem Gerät eigentlich nicht viel falsch. Man ist schnell unterwegs und erweitert seinen Bewegungsradius. Über die tatsächliche Umweltfreundlichkeit solcher Roller lässt sich natürlich auch vortrefflich streiten, muss der Roller und seine Batterie ja auch erst produziert werden. Wer damit aber Abgase einspart weil das Auto stehen bleibt und der Einkauf nun in den Rucksack muss,  kann sich trotzdem sein ganz persönliches Ökobienchen anstecken.  

Meine Wenigkeit ist zufrieden und Happy mit dem Teil. Das wird wohl ein spaßiger Sommer werden. Mal sehen, wieviele Kilometer zusammenkommen.

Diesen Beitrag gibt es in Kürze auch als Bewegtbild auf unserem Youtube-Kanal. 

Gerollerte Grüße

//O.F. 

Fotos: Privat

 

Update 31.08.2021: 

Nach 70km trat der erste Defekt auf. Der Haltebügel für das Rücklicht und Kennzeichen brach fast auf beiden Seiten. Kurioserweise auch bei baugleichem Roller eines Kollegen. Der Support über das Versandhaus ist miserabel. Es wird sofort an die Karcher-AG als Hersteller und Vertriebsbasis verwiesen. Von dort gab es nach ein paar unsinnige Mailwechsel einen Rücksendeaufkleber für das Paket des Rollers. Er musste also ebenfalls eingeschickt werden.

Der Hinweis, mir doch einfach das Ersatzteil zuzuschicken, damit ich es kurzfristig selbst reparieren kann und damit einen Posttransport und  damit Geld, sowie die Serviceleistung des Technikers zu sparen, wurde freundlich aber bestimmt abgelehnt. Grund: “Das geht nicht.”  Schon aus umwelttechnischen Gründen, wäre dies die bessere Option gewesen, zumal ich die Selbstreparatur ja anbot.  

Das ist nunmehr auch schon über 14 Tage her. Bislang noch keine Nachricht vom Service. Ich warte noch. Hoffentlich ist der Sommer nicht gänzlich vorbei, wenn das Teil zurückkommt.

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