StadtRad im Test – Das Leihbike vom Bahnhof

Wenn man in eine fremde Stadt besucht, kann man viel erleben, wenn man relativ mobil ist. Heutzutage geht das mit Leihrädern fast überall schon ziemlich gut. Wir haben ein StadtRad getestet. Wie es fährt, könnt Ihr in diesem Artikel lesen.

StadtRad im Test

Also besonders hübsch sind sie ja nicht, die Stadträder, die von der Bahn in verschiedenen Städten als ökologisches Fortbewegungsmittel an den Bahnhöfen angeboten werden. Ein kleines Rudel roter Räder steht täglich vor dem Bahnhof in Lüneburg und wartet geduldig an der eigenen Buchungssäule auf Touristen oder Einheimische, die sich damit in der Stadt bewegen wollen. Grund genug, als Fahrradfan dieses Gerät mal auszuprobieren. 

Ziemlich klobig und schwer wirken die Räder schon optisch. Die Bauweise ist leider der Tatsache geschuldet, dass Menschen mit Leihgut nie vernünftig umgehen. Ist ja schließlich nicht das eigene Rad und …. man kennt das ja … verleiht man etwas, ist es kaputt, dreckig oder kommt gleich gar nicht wieder. Also muss so ein StadtRad eben besonders robust, auffällig und unattraktiv sein. So auch diese hier. Das will man privat nicht haben und irgendwie glaube ich, dass man nach der Rückgabe froh sein soll, es wieder los zusein. 😉  Der Rahmen ist extrem verstärkt und alles, was in irgendeiner Form demontierbar wäre ziemlich gut gesichert. Als Gepäckträger fungiert ein gebogenes Blech, welches gleich mal noch als Werbefläche benutzt wird. Für die Gepäcksicherung gibt es ein Gummiband. 

Alles ist irgendwie auf besonders robust und stabil getrimmt. Sogar die Pedalen. Die will man gar nicht klauen. Man hat unweigerlich nur einen Gedanken: “Wenn so ein Rad die Lösung für urbane Mobilität ist, will ich das Ursprungsproblem zurück. “

Wie leiht man sich sowas nun? Das ist im Grunde recht einfach und es gibt zwei Stellen, wo man eine Anleitung findet. Auf dem Rad und am Terminal. Natürlich kostet es etwas, doch in diesen modernen Zeiten ist alles völlig easy bezahlbar und so verständlich erklärt, dass sogar Anleitungslegastheniker wie ich, das noch begreifen. 

 

Also schnell mal die Anmeldeprozedur durchlaufen, den vorgegebenen Schritten am Terminal gefolgt und dann das Schloss entriegelt und auf zur Probefahrt durch Lüneburg. Übrigens ein nettes und hübsches Städtchen. 

Ein wichtiger Tipp vorab: Alle Räder vorher genau ansehen. Es stehen auch Defekthexen am Bahnhof herum. Schaltung vom letztem Sturz defekt, Luft aus den Reifen oder der Sattel verschlissen oder beschädigt. Bevor man sich also das richtige Rad leiht, sollte man sich erst einen Überblick vom verfügbarem Material verschaffen.

Auf in das Abenteuer Leihrad. Wie fährt es nun? 

Ok. Wie schon erwähnt: Das will man privat nicht. Wirklich nicht! Würden meine eigenen Räder so fahren, wäre ich wieder Autofahrer oder Fußgänger. 

So klobig, wie sie aussehen sind sie auch. Die Räder erreichen gut die 20 Kilogramm Eigengewicht. Dazu sind es 26-Zoll-Räder. Der Sattel schmerzte schon nach wenigen Metern und mehrere Nachjustierungen waren nötig, bis das ganze System so halbwegs auf meine Größe und mein Gewicht passte. Netterweise befindet sich direkt am Bahnhof in Lüneburg auch ein Fahrradladen (wir berichteten hier über den Shop), wo ich das Luftproblem schnell und unkompliziert lösen konnte. Nach dem geänderten Setup machte ich mich mal auf den Weg in die Stadt. Radverkehrstechnisch hat Lüneburg in den letzten Jahren ordentlich aufgerüstet und viele Kreuzungen mit eigenen Radspuren ausgestattet. Selbst angepasste Ampelschaltungen gibt es inzwischen. Ich kam mir fast etwas vor wie in Kopenhagen. Aber wenn man sich an einer Stelle freut, gibt es auch an anderer Stelle Leid. Und mit der Stelle meine ich eher mein Hinterteil. Auch nach einigen Höhenjustierungen wurde das nicht wirklich gut und ich bin eigentlich lederbezogene Carbonplatten gewohnt. Gleiches gilt für das Rad selbst. Schon an leichten Steigungen merkt man das Gewicht deutlich und wenn die Schaltung nicht wirklich präzise funktioniert verliert man Fahrt und investiert viel Kraft um die Geschwindigkeit wieder zu halten oder aufzubauen. 

Einen großen Pluspunkt gibt es für die Robustheit des Rades. Das ist irgendwie für die Ewigkeit gebaut. Kopfsteinpflaster in der Altstadt oder Bordsteinkanten schluckt es gut, gibt aber jeden Stoß auch direkt in den Rücken weiter. Dazu sind die Reifen ziemlich breit und nehmen Unebenheiten schon recht früh auf. Das war es dann auch schon mit den Vorteilen. Die Sitzgeometrie ist alles andere als optimal und das Gepäckblech taugt bestenfalls für einen Rucksack oder eine Reisetasche. Mehr kann man da nicht sicher genug befestigen. 

Wenigstens gibt es Licht für die dunklen Stunden des Tages und das funktionierte bei meinem Rad sogar. 

Fazit:

Grundsätzlich fährt das Rad. Es fährt schlecht und unbequem aber bringt einen von A nach B. Viel mehr braucht es aber eigentlich auch nicht. Man kann die Reisetasche oder den Rucksack hinten aufschnallen (so denn Bänder vorhanden sind) und sich durch die Stadt zum Hotel oder Sightseeing begeben. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, gibt es in Lüneburg aber nur zwei Stellen, wo man die Dinger abstellen konnte. Ich war nach einer Stunde allerdings froh, dass ich es wieder los war und stellte es am Bahnhof ab, da sich auch dort mein Hotel befand. 

Man kann es durchaus nutzen. Es fährt. Auf Dauer (so als Student vom Bahnhof zur Uni oder zum Job) sollte man aber über die Anschaffung einer alten “City-Gurke” nachdenken und sich einen Stellplatz im Radspeicher der Bahn oder im bewachten Bereich anmieten. 

 

Getestete Grüße

//O.F.

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