Rennrad oder Cross-/ Fitnessbike – Der Vergleichstest

[section_title title=Rennrad VS Fitnessbike – Praxistest]

Es wird langsam Frühling. Muss es ja zwangsläufig, wenn man mal genau in den Kalender schaut. Viele wollen sich in den nächsten Wochen ein neues Bike zulegen. Doch welches? Crossrad, Fitnessbike oder doch ein Rennrad? Wir haben eine Strecke mit verschiedenen Rädern verglichen.

Fitnessbike, Crossbike oder doch ein Rennrad? 

Eine Tour im direktem Vergleich

Inzwischen häufen sich die Anfragen von Lesern via Mail oder andere Kanäle, nach einem Kauftipp. Dabei geht es überwiegend um die Trendbikes Cyclocrosser, Fitnessbike und natürlich auch um Rennräder. “Was soll ich kaufen, und welche Preislage reicht aus?” “Ich will nur ab und zu mal eine längere Strecke fahren.” “Reicht ein Fitnessbike oder soll ich eines mit Rennlenker nehmen?” So geht das öfter bei mir im Mailfach und am Handy.

Gut, ich bin jetzt kein Bike-Guru. Ich arbeite nichtmal im Fahrradfachhandel (warum eigentlich nicht???) und hab zu Bikes auch nur eine sportliche Affinität, da mir sonst kein besseres Hobby einfiel. 😉 Doch der Frage, welches Bike es werden könnte, kann man auch hier im Magazin mit meinen ganz normalen User-Leistungsdaten beantworten.

RedBull Rosebike Rennrad
RedBull Rosebike Rennrad

Am Sonntag gab es also kurz entschlossen noch eine kleine Tour am Nachmittag in ein Nachbardorf der Hansestadt und wieder zurück um die Frage nach der Effizienz oder besser der Berechtigung eines Rennrades zu klären.

Zudem wurde mal eine Radwegstrecke gewählt um zu sehen, ob die Radwege der Region schon verwendbar sind.

Das ganze auf dem bereits bekannten 10kg-RedBull-Rennrad mit Schwalbes Lugano Active mit Diamantprofil in 25er Breite.

 

 

 

Hier sind die Werte und Daten:

Eine kleine Sonntagsrunde
Eine kleine Sonntagsrunde

Ok. Berauschend ist das nicht und jeder aktive Wettkampfsportler dürfte verständnislos den Kopf schütteln. 😉 Aber egal. Ich fahr meinen Stil und den recht konstant. Dazu benötige ich nach – egal welcher Strecke – nicht zwingend zwei Stunden Recovery-Zeit, bevor ich was anderes machen kann. Zudem sind 2°Celsius auch nicht unbedingt angenehm gewesen. Abgesehen davon, rauche ich leider noch immer und muss mit Anfang 40 auch keine Rekorde mehr brechen.

CheckerPig Vila Fitnessbike
CheckerPig Vila Fitnessbike

Eben genau diese Strecke habe ich nun mal mit einem 14kg-Fitnessbike nochmal gefahren. Hierbei zeigt sich, dass der Name “Fitnessbike” verwendet wurde, da man von dem Rad Fitness bekommt. Also kein Rennlenker und schon gar keine Rennrad-Schaltung oder Kurbeln. Alles Alivio-Deore-Mix mit FSA-Riserbar. Auf Vittoria Touring Reifen mit wenig Profil in 35er Breite rollt es aber gut. Die Federgabel wurde ganz tief reingedrückt und gelockt (fixiert, damit da nichts federt). Die soll irgendwann sowieso mal rausfliegen. Ich mag das eigentlich nicht mit Federung vorne dran.

Einzige Veränderung, die man als nachhaltig betrachten dürfte, waren SPD-MTB-Pedale von Wellgo und damit verbunden die höher Kurbelgewichte durch die dazugehörigen MTB-Schuhe und ein härterer Sattel, der in der Form auch auf dem Rennrad seinen Dienst tut. Das war es aber schon.

Und auch hier die passenden Daten zu der Tour.

 

Die Sonntagsstrecke auf dem Fitnessbike als Vergleich
Die Sonntagsstrecke auf dem Fitnessbike als Vergleich

So! Verwundert? Ja, ich auch. 😉

Der schnelle Blick auf beide Bilder zeigt, dass ich mit dem Crossbike sogar schneller gewesen sein soll und dabei weniger Kraft verbraucht haben soll als mit dem geliebtem Rennrad. Dabei ist das Gewicht des Fitnessbikes, gut 3kg höher, die Komponenten deutlich minderwertiger, die Schuhe verursachen ein viel höheres Rotationsgewicht, die Decken haben eine deutlich breitere Auflagefläche und die Ergonomie ist viel entspannter aber auch aufrechter und somit windangriffsfähiger.

Wetterlage? Nein. Die war bei beiden Fahrten durchaus identisch. 2° Celsius Außentemperatur. Leichter, teils mäßiger Wind und trockene Fahrbahnverhältnisse. Die Fahrzeit könnte eine Ursache sein, doch während am Sonntag viele Fußgänger auf dem Weg waren und man sehr vorsichtig fahren musste, gab es mit dem Cross/Fitnessbike kaum Bewegung auf dem Hauptradweg.

Warum ist das Fitnessbike also gleich schnell? Auskünfte könnten die spezielleren Fahrdaten geben.
Damit beschäftigen wir uns im zweiten Teil und geben natürlich auch Tipps, wann Ihr zu welchem Typ Rad greifen solltet.

[section_title title=Teil 2 – Fahrdatenanalyse & Kauftipps]
Warum ist das Fitnessbike also auf der vergleichbaren Strecke gleich schnell, wie das – na ja “fast-hightech”- Rennrad?

Dazu nehmen wir uns mal die Analyse der speziellen Fahrdaten vor.

Zuerst wieder das Rennrad:

Die Fahrdaten aus dem Garmin Connect System
Die Fahrdaten aus dem Garmin Connect System

und hier das Fitnessbike:

Die Daten auch hier aus dem Garmin-Connect-System
Die Daten auch hier aus dem Garmin-Connect-System

Beim Fitnessbike wurde kein Trittfrequenzsensor verwendet. Wo liegt jetzt der wesentliche Unterschied?

Die Geschwindigkeit gibt Aufschluß. Selbst wenn der Durchschnitt mit dem Rennrad höher war, konnte das Fitnessbike durchweg konstanter fahren. Hier sind es zwei Gründe, die das möglich machten. Einmal, wie schon erwähnt, die nicht vorhandenen Fußgänger am Montag Vormittag und zum zweiten auch ein Teilstück auf dem Rückweg von ca. 2km, welches durchweg ein Radweg aus Pflastersteinen ist und so mit dem Rennrad auch nicht angenehm zu fahren ist. Hier spielte das Fitnessbike seine Stärken in Form der breiteren und wiederstandsfähigeren Bereifung aus. Auch auf dem Radweg aus Asphalt nahm es jedes auf dem Weg liegende Stöckchen mit, während das Rennrad noch versuchte, diese nicht unbedingt zu treffen um möglichst keinen Reifenschaden zu riskieren. Wichtige Sekundenbruchteile, die hier gesammelt zu diesem Ergebnis führten. Dies reichte sogar aus, die aufrechtere und damit zwar bequemere aber windanfälligere Sitzposition zu komprimieren. Beim Rennrad sind teilstrecken schneller durchfahren worden, doch das Fitnessbike konnte auf vielen Strecken durch die Konstanz und die breiteren Reifen viel wieder gut machen.

Ein Dritter Test mit einem richtigem Cyclocrosser sollte hier vielleicht doch noch folgen, wenn man die Strecke entsprechend mit dickeren Reifen aber in aerodynamischer Roadbike-Position fährt.

Wie man sieht, macht es fast keinen Unterschied, mit welchem Rad man auf Tour geht. Zudem ist die rollende Masse in der Ebenen physikalisch gesehen, völlig egal. In den Bergen sieht das allerdings anders aus. Hier spielen Komponenten wie Fahrradgewicht und Ergonomie durchaus eine höhere Rolle. Bei “kurzen” Strecken wie dieser hier,  spielt es eher eine untergeordnete Rolle, welches Rad man verwendet.

Ergonomisch zeigte sich aber, dass die Handposition an einem Lenkradlenker und damit die Möglichkeit zu mehreren Griffstellungen durchaus angenehmer war. Nach knapp 20km zeigte sich auf dem Fitnessbike trotz des hochwertigen FSA300 als Riserbar, erste Ermüdungserscheinungen in den Handgelenken.

Bleiben wir gleich bei den persönlichen Empfindungen. Grundsätzlich hatte ich nicht das Gefühl, gleich schnell oder schneller gewesen zu sein. Zudem war das Fahrgefühl auf dem Fitnessbike anstrengender und umso kaputter fühlte ich mich danach auch. Möglich, dass das an den schwereren MTB-Schuhen lag oder an der breiteren Auflagefläche der Reifen. Die Witterung war identisch und letztlich vom Gefühl her die Fahrt auf dem Rennrad angenehmer.

Am Nachmittag noch mal die gleiche Strecke als Vergleichsfahrt:

Vergleichsfahrt nochmal am Nachmittag - Ich brauche dringend ein besseres Rad.
Vergleichsfahrt nochmal am Nachmittag – Ich brauche dringend ein besseres Rad. 😉

Die gleiche Strecke nochmal am Nachmittag bestätigt die Werte vom Sonntag. Entweder brauche ich ein besseres Rad oder vielleicht doch ein neues Hobby. Oder ich sehe die Zeiten einfach nur zu eng.

Welches Rad solltest Du nun kaufen?

Fitnessbike, CycloCrosser oder doch Rennrad?

Damit beschäftigen wir uns im 3. Teil dieses Artikels.

[section_title title=Kauftipps]

Welches Rad soll es nun sein?

Die Frage lässt sich nur von jedem selbst genau beantworten.

Fitnessbike, CycloCrossbike oder doch ein pures Rennrad?

Wer “nur” zum Job fahren will und dem ab und an mal eine kleine Runde mit maximal 40 oder 45km vorschwebt, der sollte zum Fitnessbike greifen. Das sollte für diese Zwecke, besonders ohne sportliche Ambitionen, völlig ausreichen. Diese Räder sind mit 10 bis 14kg recht einfach händelbar, bieten genug Stabilität und Komfort auf allen Wegen und sind oft schon werksseitig mit Lichtanlage, Schutzblechen und Gepäckträger ausgestattet. Das reicht für’s Commuting von 2-8km je Tour und ist preislich irgendwo zwischen 600,- und 900,- Euro auch sehr erschwinglich. Wenn die sportlichen Interessen nicht zwingend im Vordergrund stehen, ist ein Fitnessbike die erste Wahl um komfortabel unterwegs zu sein und gleichzeitig auch mal eine längere Strecke zurücklegen zu können, wenn man denn müsste oder wollte.

Wer eine sportlichere Sitzposition bevorzugt und dabei auch mal abseits von befestigten Wegen unterwegs sein will, dem sei die Kategorie Cyclo-Crossbike hier wärmstens ans Herz gelegt. Es bringt Dir die sportlich agile Note und ist dennoch robust genug, auch mal durch Waldtrails donnern zu können. Schutzbleche und ggf. einen schmalen Gepäckträger kann man in vielen Fällen nachrüsten. Es offeriert dem Interessenten mit sportlichen Ambitionen auch die Möglichkeit, täglich am Nachmittag oder Abend auf größeren Trainingsrunden unterwegs sein zu können. Gleichzeitig bieten Cyclocrosser auch die Möglichkeit, die Profilreifen gegen Road-Bereifung umrüsten zu können. Das hat sich in den letzten Saisons besonders im Sommer bewährt. Bei Preisen zwischen 900,- und 2000,- Euro bietet das CycloCross-Bike die individuellsten Optionen für die sportliche Betätigung. Selbst bei einem Radsportclub kann man damit aufschlagen und Freizeitsportevents sind damit auch kein Problem. Die Räder sind zwischen 9 und 11kg schwer. Beim Kauf sollte man vielleicht ein Auge auf eine saubere Gruppenzusammenstellung legen, die in den meisten Fällen allerdings bereits vom Händler/Anbieter gewährleistet wird. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Roadbike Pur – Inzwischen vielleicht doch nur noch etwas für Individualisten und Menschen, die den Radsport noch aktiver und intensiver erleben wollen. Auch hier gibt es verschiedenste Modelle und Typen, die die Fahrkultur auf einem Rennrad spezifizieren können. Leider bietet ein Rennrad auch die größten Einschränkungen. Gerade die eingeschränkte Reifenwahl sorgt bei vielen Rennradfahren für Unsteigeambitionen. Schlechte Wege, Gravel-Strecken und Fahrten bei nasser oder winterlicher Witterung sind kaum möglich, da breitere oder profiliertere Reifen nur selten in die engen Rahmen und Gabeln passen. Da nützt es oft auch nichts, wenn Rennräder inzwischen auch mit Scheibenbremse erhältlich sind. Hier bekommt man zwar die leichtesten Räder und steigt ebenfalls ab 900,-Euro in den sportlichen Bereich ein, doch die Einschränkungen machen das Rad eben zum puren Sportgerät für die Freizeitgestaltung.

Unser Tipp: Das Bike, welches sich als CycloCrosser bezeichnet, wäre unsere Wahl. Komfortabel und dennoch sportlich genug, bietet es selbst zum Commuting die idealsten Voraussetzung und ist auch jederzeit für eine ordentliche Trainingsrunde bereit. Die hohe Flexibilität des Rades macht es selbst für Radfreunde ohne großes Interesse an Sportclubs interessant. Selbst Wandertouren sind möglich und noch komfortabel genug zu absolvieren. Für uns definitiv das nächste Bike, welches wohl auch einen Teil der Rennräder-Auswahl ersetzen wird.

 

Das wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, auf die Produkte unseres Fahrradversender-Werbepartners unterhalb dieses Artikels hinzuweisen. Wir haben aber leider noch immer keinen passenden Partner gefunden und können daher den weiterführenden Content nicht direkt bieten. Ihr müsst Euch daher selbst im Fachhandel oder Online umschauen, wenn Ihr auf der Suche nach einem neuen Rad seid.

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