Cube Attain im Test – Rennrad für Einsteiger

Nach einigen Jahren mit dem KS-Cycling Lightspeed Eigenbau war es dann doch mal wieder Zeit, für ein kleines Update im Fahrradbestand. Die Wahl fiel auf das Cube Attain, welches wir hier gleich einmal ausführlich testen wollen. Was kann das Einstiegs-Rennrad von Cube? Wie ist es so verarbeitet und wie fährt es sich? Ihr erfahrt es hier in diesem Artikel.

Cube Attain 2019 Rennrad im Test – Ausführlich und fair

Wahrscheinlich ist dieses Magazin die einzige Webseite für Radsport und Fahrradtechnik, die einen Artikel über die Verbesserung/ den Umbau eines Produktes lange vor der eigentlichen Produktreview bringt. Das hatte hier aber einen Grund und macht für uns schon Sinn. Die Fachleute unter den Lesern haben es bereits erkannt. Es handelt sich in diesem Test um das schwarz-rote Modell, welches das Modelljahr 2019 darstellt. Warum ist es nicht das 2020er geworden oder in Kürze das verfügbare 2021er? Ganz einfach. Es war einfach da. Es stand im Laden und der Nachfolger aus diesem Jahr war nicht mehr da und die neuen Modelle 2021 waren beim Kaufzeitpunkt noch nicht im Handel.

Für das Cube Attain Rennrad gibt es im Netz kaum Testberichte und bei einigen von den wenigen glaubt man tatsächlich, dass die “Tester” gerade mal 10 Minuten Zeit hatten, sich einen Eindruck über das Rad machen zu können. Probefahrt inklusive, versteht sich. Quasi kurz vom Händler geliehen, Fotos gemacht, draufgesetzt, kurz um die Ecke gerollt und dann einen Testbericht in die Tasten gehauen und ins Netz geschoben. Alternativ noch die ganze Herstellerseite abgetippt.  Mit diesem Artikel werden wir das mal ändern und in gewohnter Kettentour treter-Manier das Rad auf Herz und Nieren prüfen. 

Wir werden einige Kilometer abspulen, die Technik im Detail vorstellen und wie immer auch mit Kritik nicht sparen, wenn sie angebracht ist.

Mit dem Attain Rennrad von Cube bewegen wir uns preislich in der Einstiegsklasse von Cube. Dies bedeutet nicht viel mehr als, dass das 2021er mit 749,-€ UVP auf den Markt kommen wird, das derzeitig aktuelle Modell ebenfalls diesen Preis aufruft und das 2019er durch die sehr sparsame Margenpolitik von Cube (so jedenfalls die Aussage meines lokalen Händlers) derzeitig zwischen 650 und 700 Euro zu erwerben ist. Im Grunde bin ich ganz froh darüber, das 2019er bekommen zu haben. die Nachfolgermodelle gefallen mir schlichtweg farblich nicht. Es soll modern wirken, aber so ganz bin ich von Mintgrün und grau kein Fan am Bike.  Da sich technisch nicht wirklich was geändert hat, sollte daher dieser Test auch für die Nachfolgemodelle interessant genug sein.

 

Sprungmarken für Querleser:

  • Technisches – Montage und Ausstattung
  • Fahrbericht – Stadt, Land und Strand
  • Technisches – Fahrgefühl und Upgradetipps
  • Das große Fazit und Kritik
  • Herstellerangaben und -bilder

Genug Vorspiel bis hierher. Schauen wir mal, was das Cube Attain denn so kann, fahren wir es und stellen es mal an die beliebten Spots, die Ihr schon von anderen Bikes auf diesem Magazin kennt.

 

Technisches – Montage und Ausstattung 

Bei einem Fahrradkauf beim Händler bekommt man das Fahrrad immer fahrfertig. Ein großer Vorteil für unwillige oder ungeübte Schrauber. Man braucht es nicht umständlich aus dem Karton ziehen, ewig viel Plastik-Schutzfolie abknübbern und hinterher auch noch entsorgen und man kann sich zu 99,9% sicher sein, dass der Monteur im Laden gute Arbeit geleistet hat. Gut, ich hätte es mir auch gerne Online bestellt, da ich meinen lokalen Cube-Händler aus verschiedenen Gründen nicht wirklich leiden kann aber in diesen Zeiten sollte man seine lokalen Shops dennoch unterstützen. So weiß ich aber wenigstens, dass er Arbeit in das Bike gesteckt hat, wenn ich ihm mein sauer verdientes Geld auf den Tresen lege und es fahrfertig ist. Die Montage entfällt und spart jede Menge Zeit und Nerven. 

Kommen wir mal zur Ausstattung. Was bekommt man für sein Geld?

Wir bekommen offensichtlich ein Rennrad, welches für sportliche Touren taugen soll und dem Einsteiger zum Training animieren soll. Jedenfalls sieht es aus wie ein Rennrad. Spaß beiseite. Nein, wir kriegen einen Aluminium-Rahmen, eine Carbon-Gabel, eine komplette Gruppe für Schaltung und Antrieb, innenverlegte Seilzüge, eine gute Bereifung auf fahrbaren Rädern und das ganze Paket wiegt dann auch nur noch 9,6 Kilogramm laut Hersteller und 9,8 kg nach eigener Messung. Also für 750,-€ UVP schon völlig in Ordnung und Fair. 

Der Sattel kam mir vom Cube 29er Aim Pro MTB, welches wir hier bereits getestet haben, sehr bekannt vor. Die Sattelstütze ist ebenfalls Cube-gelabelt und wird so auch in MTB’s verwendet.  Das rote Lenkerband um den hauseigenen Lenker wirkt hochwertig, greift sich aber nicht unbedingt bequem. Nicht nur jeder Arsch ist anders, auch die Hände. Ich habe lieber was dickeres in der Hand. Als Pedalen werden ultraleichte Standardpedalen montiert. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass eine schon in der Achse verbogen war. Aber Pedalen tauscht man am Rennrad ja sowieso gegen sein bevorzugtes System. Es reicht, um damit vom Händler mit normalen Schuhen in heimische Gefilde zu fahren.  

Cube verbaut(e) am Attain eine komplette Claris-Gruppe von Shimano. Dies bedeutet, dass Bremsen, Schaltung, Hebel und Kurbel alle aus einer Serie sind und “aufeinander abgestimmt” sind. Soweit so gut. Bei der Kette wird etwas gespart und nicht bei Shimano gekauft und laut Datenblatt von 2019 auch nicht beim hinterem 8fach-Ritzel. Modell 2020 und 2021 sind identisch. Zur Claris-Gruppe gibt es noch eine separate Review auf diesem Magazin, da wir hier nicht auf alle Vor- und Nachteile der Gruppe eingehen wollen.Bei den Rädern gibt es einen Satz von AlexRims, welcher dann mit 25mm Conti Ultrasport Drahtreifen bestückt wird. Das reicht auch nach unserer Einschätzung für die ersten tausend oder zweitausend Kilometer. Vielleicht sogar für mehr. 

Grundsätzlich bekommt man also in dieser Klasse ein doch recht preiswertes und leichtes Rennrad für Einsteiger oder ein gutes Winterbike. Natürlich sind wir, schon preislich bedingt, von den 7,5 bis 8,5kg Rädern ein Stück weit entfernt. Die Ausstattung ist auf den ersten Blick solide aber verbesserungswürdig. Doch dazu später im Fazit mehr. 

Highlight ist auf jeden Fall die Carbongabel, welche Cube hier verbaut hat. Das ist gerade in dieser Preisklasse ungewöhnlich. Zumeist wird sonst nur Aluminium verbaut. 

Etwas kritisch mussten wir die Nähte des Rahmens begutachten. Cube wirbt eigentlich mit dem Smooth-Welding-Verfahren für besonders saubere und sanfte Nähte. Dies bestätigt sich auch im Lenkerbereich.  Der aufgebrachte Lack ist stimmig und robust. Doch was ist das am Tretlager? Macht man neuerdings solche Unterschiede bei den Nähten? Das fällt irgendwie sofort auf und sieht nicht wirklich schön aus. 

Der Rest am Rad ist nett gestylt und farblich ist auch alles stimmig. 

“Black’n’Red” ist das Programm und für meinen Geschmack wirkt es etwas edler als es ist. 

Drehen wir mal eine Runde und schauen, wie das Cube Attain so fährt. 

Fahrbericht – Stadt, Land, Strand 

Vom Händler in die heimische Stube ging es recht schnell und schon hier wurden Vor- und Nachteile des Renners schnell deutlich. Natürlich war es leichter damit, als mit dem bisherigem Lightspeed Eigenbau-Rennrad von KS-Cycling und ja, es fährt sich gut. Schon im Laden war aber klar, dass der Seriensattel schnell vom Rad verschwindet und auch die Plattformpedale gegen ein SPD-System getauscht werden muss. Zudem stimmte der Luftdruck in den Reifen nicht. Ein kleiner Fauxpas des Händlers. 

Die übliche Hausrunde wurde nach einem kleinen Umbau des Sattels und der Pedalen abgespult und brachte gleich ganze 7 Minuten Zeitersparnis. Natürlich ist dies wohl einem großem Motivationsschub des neuen Rades geschuldet und auf der Flachstrecke sollten die 3Kg-Gewichtsersparnis wohl weniger ins Kontor fallen. 

Eine weitere Strecke durch die Umgebung mit anderem Höhenprofil zeigte aber schnell die Unterschiede im Gewicht und da alles recht gut vom Händler eingestellt war gingen auch diese Touren schneller vorbei als mit dem bisherigen Bike sonst so üblich. Natürlich fährt man mit so einem Rad auch nicht immer nur auf Asphalt. Schotter- und Gravelstrecken ließen sich problemlos abspulen. Gerade bei Steigungen merkt man dann auch das geringere Gewicht. Hier gibt es zwar nur Brücken und kleinere Hügel und dennoch hat man das Gefühl, dass das Bike da ziemlich gut hochgeht. 

Natürlich muss es auch wieder herunter und dafür sorgen Bremsen aus der bereits erwähnten Claris-Gruppe. Sie sind baugleich mit der Sora und der Griff an die Felgen ist gut. Ein kaum spürbares Fading schafft großes Vertrauen in die Bremsgummis. Würde ich in Bayern oder in deutlich bergigerem Lande wohnen, wären mir die Bremsschuhe für mein Sicherheitsempfinden zu kurz und ich würde sofort auf ein Modell mit Scheibenbremsen oder längeren Belägen an der Felgenkante wechseln.  

Reichen die 16 Gänge aus? Die Claris-3×8-Schaltung macht im Grunde, was sie soll. Richtig Schwäche zeigte sie aber in einer schnellen Abfahrt bei über 50km/h. Eine Geister-Schaltung und eine fliegende Kette sorgte beim Downhill fast für einen schweren Sturz mit ungeahnten Folgen. Definitiv ein Grund mehr, dieses Schaltsystem auf ein präziseres und besseres upzugraden. Hier steht wohl mindestens eine 105er- oder Ultegra-Gruppe auf der Einkaufsliste. Dazu aber später. 

Die Laufräder von AlexRims sind robust und verzeihen auch Bordsteinkanten und hanseatisches Kopfsteinpflaster. Gerade Einsteiger achten ja bekanntlich nicht unbedingt zwingend auf die richtige Streckenwahl. Hier ist es deutlich vorteilhafter, dass diese Art Räder verbaut wurde. Auch die Bereifung spult über jeglichen Belag gut ab. 

Hier ein paar Impressionen von den ersten Touren. 

Technisches – Fahrgefühl und Upgradetipps

Wie bereits im vorangegangenen Abschnitt erwähnt, bewegen wir uns hier im Einstiegsbereich bei Rennrädern von Cube. Dieser lässt viel Spielraum nach oben und jede Menge Möglichkeiten für Upgrades. 

Grundsätzlich war das Fahrgefühl sehr gut. Die leichte Gabel und das Systemgewicht von unter 10 Kilogramm lassen das ganze ziemlich spaßig wirken. An Brücken und bei Gegenwind war der Gewichtsunterschied zum Lightspeed Crosser / Racer deutlich spürbar. 

Schon vor der ersten wirklichen Probefahrt verschwand bei mir der Sattel von der Sattelstange und wurde gegen meinen bewährten fi:zi’k Arione CX ersetzt. Die Wellgo-SPD-Pedale sind jetzt nicht mehr die Besten aber bei der Benutzung der Shimano CX70 noch immer nützlich und wurden ebenfalls montiert.  Natürlich ist die Gewichtsangabe für Rennräder elementar. Besonders, wenn man das Gewicht des bisherigen Stuhles kennt. Um die Herstellerangabe noch etwas weiter zu drücken, steckte ich auch kurzerhand mal meine (inzwischen wahrlich) 8 Jahre alten Fulcrum Racing 7 Räder mit gleichalten Schwalbe Ultremo ZX Decken an die vorgesehenen Stellen. Sage und schreibe 480 Gramm nochmal weniger. 

Das machte Lust auf Recherche und diese ergab, dass die Sattelstütze 380g wiegen sollte. Kurz ausgebaut – ich kam auf 320g. Da gibt es auch einiges, was das System leichter macht. Und wenn es denn aus China sein soll, gibt es Aero-Sattelstützen aus Carbon mit knapp 200g. Gleiches gilt für den Lenker. Dieser wiegt ohne Vorbau 300g und mit Vorbau 460g. Ein integriertes System aus Carbon nur ca. 320 Gramm und kostet dabei auch nur maximal 60 Euronen mehr. Viel holt man noch bei den Laufrädern heraus. Ein brauchbarer Carbon-Laufradsatz ist schon für 450,-€ erhältlich und reduziert das Gewicht des kompletten Original-Rades fast um 800g!  Ersetzt man jetzt noch die Claris-Gruppe oder die schwersten Teile davon (Kurbel, Hinterer Umwerfer, Schalthebel) durch ein paar Teile der aktuelleren Shimano 105er-Gruppe, kommt man mit knapp 600,-€ Aufpreis auf ein Gewicht von knapp 8kg. Das hat was. Dabei liegt man preislich dann noch mit dem Attain knapp über dem Nachfolgemodell, welches durch Scheibenbremsen aber auf 10,2 kg Systemgewicht kommt.  

Upgrades lohnen sich also noch immer – Funktions- und Gewichtstechnisch. Da obige Angaben genau der hiesige Plan ist, werden wir hier an dieser Stelle dann auch entsprechend darüber berichten.

Wer mag, kann auch gerne die ganze Gruppe austauschen. Wir haben einen Artikel erstellt, der den Umbau des Cube Attain besser machen und in den nächsten Monaten und Jahren dokumentieren wird. 

 

Das große Fazit und Kritik

Du willst ein Rennrad und hast 800 oder 900 Euro Budget? Dann ist das Cube Attain die erste Wahl. Du bist bereit, nach ein paar hundert Trainingskilometern auch ein paar Sachen technisch zu verbessern und kannst und willst  zusätzliche Investitionen in dein Bike später noch aufbringen? Glückwunsch, dann ist das Cube Attain auch hier genau das Rennrad, welches Du schon lange gesucht hast. 

Der Aluminiumrahmen ist sehr steif. Er macht Spaß und die Carbongabel lässt den Vorderbau bei ruppiger Strecke ab und an mal springen. Sie ist hart, sorgt aber teilweise für ein etwas unruhiges Fahrgefühl. Kritik gibt es definitiv an der Claris-Gruppe und am Gewicht des Rades. Cube, ihr könnt es definitiv besser und niemand wäre böse, wenn im Einstiegsbereich für den Radsport etwa besseres Material verbau wäre. Die Griffe der Claris sind “on the Hood” rutschig und eine größere Querspalte oder ein Wurzelbruch im Asphaltradweg kann schon etwas kritisch werden.Der Sattel ist leider auch ziemlich universal. So hart es klingt, aber wer darauf 40 oder 80km übersteht… Respekt. Er sollte auch bei Einsteigern zu den ersten Upgrades gehören, die durchgeführt werden. Die schweren Laufräder sind soweit ok, doch Faltreifen lassen hier schnell gut 200g an rotierende Massen sparen. 

Und warum so eine “bescheidene” Sattelstütze oder der Lenker mit dem Vorbau? Warum diese Räder? Wenn das ’22er Modell 999,-€ kosten würde und deutlich leichtere Laufräder hätte und somit das Gewicht auf 9,2 kg sinken würde, wäre niemand sauer. Wirklich nicht. 

Mit dem Einstiegspreis von 749,-€ liegt das Rad für viele im Budgetbereich und wir können an dieser Stelle auch für die Modelle 2020 und 2021 nur die Kaufempfehlung aussprechen. Das Rad ist verbesserungswürdig, kann aber jedem Einsteiger in den Radsport genau die erste Brücke zu vielen schönen und auch längeren Touren sein.  

Getestete Grüße 

//O.F.

 

PS: Und ja, ich weiß es doch. Traditionen soll man nicht ändern und Instanzen keinesfalls abschaffen. ;-(

Also, hier ist es. Das Cube Attain vor der Gorch Fock I in Stralsund

Cube Attain Rennrad vor der Gorch Fock !
Das Cube Attain black’n’red vor der Gorch Fock in Stralsund

 

Upgrades und Tuning in der Nutzungszeit

Da dieses Bike für die nächsten Jahre im Bestand bleiben soll, haben wir für Upgrades und Tuning genügend Zeit. Daher gibt es alle Verbesserungen an diesem Bike in diesem Artikel “Cube Attain Rennrad besser machen” in diesem Magazin.

 

Herstellerangaben und Bilder

comming soon

Das Cube Attain 2019 auf der offiziellen Herstellerseite – klick hier.

 

 

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