200 Jahre Fahrrad – Evolution auf 2 Rädern

Heute gibt es einen Grund für alle Radfahrer, den eigenen Drahtesel mal eine Extra-Pflege zu unterziehen. Es ist schließlich Geburtstag. Fahrrad-Geburtstag.

200 Jahre Fahrrad

Man nehme zwei Räder, verbinde diese mit einem Rahmen, mache das eine Rad steuerbar und sorge für eine Sitzposition. Fertig ist das Laufrad.

DraisineI

Ganz so einfach war das wahrscheinlich wohl nicht. Doch am 12.Juni 1817 bewegte Freiherr Karl Drais ein Laufrad zur ersten nennenswerten Ausfahrt durch Mannheim und begründete damit die Erfolgsgeschichte zweirädriger Fortbewegungsmittel, die bis heute anhält. Das Laufrad, oder besser die Draisine, wie das Rad noch damals genannt wurde, war nur der allererste Anfang.

Die Kraftübertragung erfolgte bei dem Modell von Drais noch über die Füße, die sich vom Boden abstoßen mussten um das Gefährt zu bewegen. 1867 brachte der französische Kutschenschmied Pierre Michaux an einer geänderten Geometrie in der Lenkachse auch Kurbeln an das Vorderrad an. Das Velociped war geboren und hiermit wurde die Kraftübertragung nunmehr direkt mechanisch durch den Menschen festgeschrieben und das Velo war endgültig geboren und wurde zur Erfolgsgeschichte.

velociped

Viel hat sich inzwischen getan. Mit der industriellen Revolution wurden Fahrräder zum Massenprodukt und erschwinglich für die Arbeiterklasse. Ständig wurde etwas verbessert und so zählt das Rad heute zum meistbenutzten Transportmittel der Welt. Selbst mit der Steigerung des Verkehrsaufkommens, welches sogar zeitweilig zur Kennzeichenpflicht und Fahrverboten bei Fahrrädern führte, setzte sich das Rad immer durch. Einige Erfindungen waren zwischendurch nur eine Idee, die sich nicht durchsetzen konnte, andere wurden fester Bestandteil des Rades.

Ein Beispiel? Die Variante Hochrad. Unbequemer Aufstieg und im Gefahrfall ein schmerzhafter Abstieg. Das war nichts. Bemerkenswert war damals zwar die erreichbare Geschwindigkeit, doch es war zu unbequem und zu schwierig zu fahren. Anders dagegen – Die Luftbereifung, die heute auf keinen Fall mehr wegzudenken ist. Ok, wir lassen teilweise inzwischen Schläuche weg und fahren Tubeless, aber Luft ist trotzdem noch drin.

Die Anfangsjahre dieser Art Fortbewegung standen im Zeichen des Adels. Nur die Bessere Gesellschaft konnte sich so ein Lauf- oder später Hochrad leisten. Im Jahre 1895 ging man wieder auf zwei gleich große Räder zurück und mit der Patentierung dieser Form wurde das Rad dann endlich auch in der Zeit der industriellen Revolution zum Fortbewegungsmittel für Normalverdiener. Nach dem Krieg war es oft für eine Vielzahl von Menschen die einzige Möglichkeit, Hab und Gut zu transportieren. In der Wirtschaftswunderzeit gab es dann Autos und alles wurde auf diese Art der Mobilität angepasst, bis in den 70er Jahren die Ölkrise zeigte, dass das Automobil auch nicht das Gelbe vom Ei als Fortbewegungsmittel in urbanen Ballungsräumen ist.

Welche Fahrräder gibt es inzwischen?

Versuchen wir mal zu schauen, was sich alles getan hat. Eigentlich unglaublich, was sich Menschen in nur 200 Jahren zu diesem Thema ausdenken konnten. Es gibt Stadtfahrräder, Sporträder, Transporträder, Spezialfahrräder. Soweit eine grobe Einstufung um einen einfachen Überblick zu behalten.

Geht man ins Detail, wird es unübersichtlicher. Vom Hollandrad bis Cyclocrosser, Rennrad, Fully, Hardtail, Kinderrad, Kinder-Laufrad, E-Bike, Rentner-Rad mit 3 Rädern, Transportrad mit zwei oder drei Rädern, Rikscha, Fixies, Liegerad, Sportrad, Hochrad und noch viel mehr. Ein Blick in den örtlichen Fachhandel oder ins Internet zeigt, dass das Rad deutlich mehr geworden ist, als nur eine Idee zum Ersatz von Pferden.

Wo geht es hin?

Genau kann man das gar nicht sagen. Es geht stetig voran und vor allem, rasanter als ein Fahrrad eigentlich fahren kann. Die Entwickler, Tüftler, Ingenieure und Enthusiasten arbeiten in alle Richtungen. Von Ergonomie bis Geschwindigkeit, von Gewichtsoptimierung bis zu alternativen Materialien, von Sicherheitstechnik bis Diebstahlsicherungen. Innovationen wird es auch noch in den nächsten Jahren geben. Das Fahrrad ist keineswegs schon zu Ende konstruiert. Das Fahrrad ist ein Produkt, welches vielen Unternehmen und Menschen Einkommen und Gewinn verschafft.

 

rolli-handbike
Fahrradtechnik findet sich inzwischen in vielen Bereichen. Auch im Behindertensport gibt es Anbausets, die aus dem Rollstuhl ein sportliches Fortbewegungsmittel machen.

Inzwischen ist das Fahrrad nicht nur als Massenprodukt sondern auch als besonders umweltfreundliches Fortbewegungsmittel in den meisten Köpfen der Politiker angekommen und Stadtplaner entwickeln nunmehr auch den nötigen Verkehrsraum für die stetig wachsende Zahl an Fahrrädern. Hier wird und sollte sich in den nächsten Jahren noch einiges verändern. Radwege zwischen Städten, Unterstellmöglichkeiten, Servicestellen und autofreie Innenstädte sind nur der Anfang von einer Erfolgsgeschichte, die noch lange weitergehen wird.

Na dann, herzlichen Glückwunsch Fahrrad.

Verblümte Grüße

//O.F.

 

 

Fotos: Wikipedia / privat / 200-Jahre Fahrrad.de

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